Was bedeutet „Tragfähigkeit“? So beweist du, dass deine Gründungsidee ein solides Fundament hat
Du bist bereit, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Du hast eine Vision für deine Arbeit als Coach, Beraterin oder Therapeutin. Und dann, mitten in der Vorbereitung auf den Gründungszuschuss, taucht es auf: dieses eine, schwere Wort, das sich wie eine unüberwindbare Mauer anfühlt – die Tragfähigkeit.
Allein der Klang des Wortes löst bei vielen Gründerinnen Unbehagen aus. Es klingt nach Prüfung, nach strenger Bürokratie und komplizierten Excel-Tabellen. Es fühlt sich an, als müsstest du beweisen, dass deine Idee „gut genug“ ist. Die gute Nachricht ist: Das Konzept dahinter ist viel einfacher und logischer, als es klingt. Es ist sogar das hilfreichste Werkzeug für dich selbst, um mit einem sicheren Gefühl zu starten.
- Du verstehst, was hinter dem Begriff „Tragfähigkeit“ steckt – ganz ohne Bürokraten-Deutsch.
- Du kennst die zwei entscheidenden Säulen, auf denen eine tragfähige Gründungsidee steht.
- Du weißt, worauf du als Coach oder Beraterin bei deiner Planung besonders achten musst.
- Du kannst in 5 klaren Schritten prüfen, ob deine eigene Idee tragfähig ist.
Das Wort, das viele abschreckt: Was „Tragfähigkeit“ wirklich meint
Stell dir vor, du baust ein Haus. Bevor du Wände hochziehst und Räume einrichtest, brauchst du ein solides Fundament, das das ganze Haus sicher trägt. Die Tragfähigkeit ist nichts anderes als das finanzielle Fundament deiner Selbstständigkeit.
Kurz gesagt: Kannst du davon leben?
Im Kern prüft die Tragfähigkeit eine einzige, entscheidende Frage: Wird deine selbstständige Tätigkeit voraussichtlich genug Einnahmen erwirtschaften, um alle geschäftlichen Kosten zu decken und dir gleichzeitig ein Einkommen zu sichern, von dem du deine privaten Lebenshaltungskosten (Miete, Essen, Versicherungen etc.) bestreiten kannst?
Es geht also nicht darum, von heute auf morgen reich zu werden. Es geht um eine realistische Einschätzung, ob dein Business dich und sich selbst tragen kann.
Warum die Agentur für Arbeit (und du selbst) diese Sicherheit braucht
Die Agentur für Arbeit investiert mit dem Gründungszuschuss in dich und deine Idee. Sie möchte sicherstellen, dass diese Investition sinnvoll ist und du nach der Förderphase nicht wieder auf Unterstützung angewiesen bist. Die Tragfähigkeitsprüfung ist also eine Absicherung für die Agentur.
Viel wichtiger ist aber: Sie ist eine Absicherung für dich. Sie zwingt dich, ehrlich auf deine Zahlen zu schauen und gibt dir die Gewissheit, dass dein Plan Hand und Fuß hat. Sie ist dein eigener Realitätscheck, der dir Sicherheit für die ersten, oft unsicheren Monate gibt.
Die zwei Säulen deiner Tragfähigkeit: Ein Blick in den Finanzplan
Die Tragfähigkeit wird nicht durch ein Bauchgefühl, sondern durch zwei zentrale Dokumente in deinem Businessplan nachgewiesen: die Rentabilitätsvorschau und den Liquiditätsplan.
Säule 1: Die Rentabilitätsvorschau – Bleibt am Ende des Jahres ein Gewinn?
Die Rentabilitätsvorschau ist eine einfache Gegenüberstellung: Du listest alle erwarteten Umsätze eines Jahres auf und ziehst davon alle erwarteten betrieblichen Kosten (Miete für den Praxisraum, Marketing, Versicherungen, Weiterbildung etc.) ab. Was übrig bleibt, ist dein Gewinn vor Steuern.
Umsätze – Betriebliche Kosten = Gewinn
Ist dieser Gewinn hoch genug, um davon deine Steuern und deine privaten Lebenshaltungskosten zu bezahlen? Wenn ja, ist das ein starkes Zeichen für Rentabilität und damit für Tragfähigkeit.
Säule 2: Die Liquiditätsplan – Bist du immer zahlungsfähig?
Der Liquiditätsplan ist noch wichtiger für den Alltag. Er betrachtet nicht das ganze Jahr, sondern jeden einzelnen Monat. Hier stellst du alle erwarteten Einzahlungen den erwarteten Auszahlungen eines Monats gegenüber.
Einzahlungen (z.B. Honorare) – Auszahlungen (z.B. Miete, Software-Abos, private Entnahmen) = Kontostand am Monatsende
Dieser Plan zeigt, ob du zu jedem Zeitpunkt genug Geld auf dem Konto hast, um deine Rechnungen zu bezahlen. Ein positives Ergebnis im Liquiditätsplan ist entscheidend, denn selbst ein langfristig profitables Business kann scheitern, wenn es kurzfristig seine Miete nicht zahlen kann.
Tragfähigkeit für Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen: Worauf es bei dir besonders ankommt
Als Dienstleisterin in einem helfenden Beruf hast du keine großen Lagerkosten oder teuren Maschinen. Deine Tragfähigkeit hängt von drei sehr persönlichen Faktoren ab.
Deine Auslastung realistisch planen
Es ist unrealistisch, von Anfang an 40 Stunden pro Woche bezahlte Klientenarbeit anzunehmen. Plane realistisch: Wie viele Klient:innen kannst und willst du pro Woche begleiten? Berücksichtige auch die unbezahlte Zeit für Vor- und Nachbereitung, Marketing und Buchhaltung. Starte lieber konservativ und steigere dich im Plan langsam.
Deine privaten Lebenshaltungskosten ehrlich ansetzen
Das ist der Punkt, an dem oft geschummelt wird – meist sich selbst gegenüber. Sei brutal ehrlich: Was brauchst du wirklich jeden Monat zum Leben? Schau dir deine Kontoauszüge der letzten Monate an und erstelle eine ehrliche Liste. Dieser Betrag ist dein „Unternehmerlohn“, den dein Business erwirtschaften muss.
Deine Preise selbstbewusst kalkulieren
Dein Stundensatz muss nicht nur deine Arbeitsstunde bezahlen, sondern auch deine unbezahlte Arbeitszeit, deine Versicherungen, deine Altersvorsorge, deine Steuern und deinen Gewinn. Ein zu niedriger Preis ist oft der Hauptgrund für eine fehlende Tragfähigkeit. Kalkuliere, was du wirklich verdienen musst, und stehe selbstbewusst zu diesem Wert.
Typische Stolperfallen: Daran scheitern viele Tragfähigkeits-Prognosen
- Zu optimistische Umsatzerwartungen: Die Annahme, im ersten Monat sofort 10 Klient:innen zu haben, ist meist unrealistisch. Ein guter Plan zeigt eine langsame Steigerung.
- Vergessene Kosten: Denke unbedingt an Einkommen- und Umsatzsteuer, Kranken- und Rentenversicherung, Berufshaftpflicht, Kosten für Website, Werbung und Kontoführungsgebühren.
- Kein Puffer für unvorhergesehene Ausgaben: Was passiert, wenn dein Laptop kaputtgeht oder du krank wirst? Ein guter Plan enthält immer eine Liquiditätsreserve.
So gehst du diese Woche vor: Prüfe die Tragfähigkeit deiner Idee in 5 Schritten
- Liste deine privaten Kosten: Nimm dir eine Stunde Zeit und liste alle deine monatlichen privaten Ausgaben auf (Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Freizeit etc.).
- Schätze deine betrieblichen Kosten: Erstelle eine zweite Liste mit allen Kosten, die für dein Business anfallen (Website, Zoom, Kontogebühren, Versicherungen, Werbung, Büromaterial etc.).
- Kalkuliere deinen Stundensatz: Überlege, wie viele Stunden pro Woche du realistisch mit Klient:innen arbeiten kannst. Berechne dann, welchen Stundensatz du verlangen musst.
- Erstelle eine einfache Rentabilitätsvorschau: Multipliziere deinen geplanten Umsatz auf 12 Monate und ziehe deine geschätzten betrieblichen Kosten ab. Bleibt ein plausibler Gewinn übrig?
- Sprich darüber: Suche dir eine Vertrauensperson oder eine:n Expert:in und sprich über deine Zahlen. Oft hilft eine zweite Perspektive, um Lücken zu entdecken.
Muss ich vom ersten Tag an Gewinn machen?
Nein. Es ist normal, dass in den ersten Monaten die Kosten die Einnahmen übersteigen. Dein Plan sollte aber zeigen, dass du nach einigen Monaten die Gewinnzone erreichst.
Was ist, wenn meine Idee laut Plan nicht tragfähig ist?
Das ist kein Scheitern, sondern eine wertvolle Erkenntnis! Es bedeutet, dass du an den Stellschrauben drehen musst: Kosten senken, Preise erhöhen oder die Auslastung anpassen.
Wer prüft die Tragfähigkeit am Ende?
Eine sogenannte „fachkundige Stelle“. Das kann die IHK, ein Steuerberater oder ein Gründungsberater sein. Diese Stelle gibt eine schriftliche Einschätzung ab.
Zählt der Gründungszuschuss zum Umsatz?
Nein, der Gründungszuschuss ist eine steuerfreie Sozialleistung. Er wird im Liquiditätsplan als Einzahlung verbucht, aber nicht in der Rentabilitätsvorschau als Umsatz.
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