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Es ist kurz nach neun am Abend, und dein Businessplan mit KI ist an einem einzigen Abend weiter gewachsen als in den Wochen davor. Du hast die KI um eine Marktanalyse für deine geplante Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie gebeten, und nach wenigen Sekunden stehen da zwei Seiten mit Zahlen zum Markt, einer Beschreibung deiner Zielgruppe und einem Satz über die wachsende Nachfrage in deiner Region. Der Text klingt professionell. Für einen Moment spürst du große Erleichterung, weil das Kapitel, vor dem dir so lange gegraut hat, endlich gefüllt ist.
Dann meldet sich eine leise Frage. Woher stammen diese Zahlen eigentlich, und gelten sie für deine Stadt? Könntest du sie erklären, wenn bei der fachkundigen Stelle jemand nachfragt? Eine Studie vom September 2026 liefert dazu einen bemerkenswerten Befund: Menschen mit Zugang zu KI-Antworten treten deutlich sicherer auf und liegen dabei häufiger daneben. In diesem Artikel geht es darum, was das für deinen Businessplan bedeutet und wie sich das Prüfen in überschaubaren Schritten in deinen Alltag einbauen lässt.
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Was du nach diesem Artikel weißt
Ein Businessplan mit KI spart Zeit, doch jede Zahl und jede Rechtsangabe braucht eine Quelle, die du selbst geprüft hast. Eine Studie mit 3.132 Teilnehmenden zeigt, dass Menschen mit Zugang zu KI-Antworten seltener zugeben, etwas nicht zu wissen, und dabei häufiger falsch liegen. Für den Antrag auf Gründungszuschuss zählt, dass du deine Angaben selbst erklären kannst.
Du erfährst, was die Studie tatsächlich gemessen hat und wo ihre Grenzen liegen. Außerdem liest du, welche Kapitel deines Businessplans bei KI-Antworten besonders heikel sind und wofür dir die KI wirklich Arbeit abnimmt. Am Ende findest du ein Vorgehen in sechs Schritten, mit dem sich ein KI-Entwurf in dieser Woche Stück für Stück prüfen lässt.
Was hat die Studie über KI-Antworten herausgefunden?
Die Studie zeigt, dass Menschen mit Zugang zu einer KI fast nie mehr „Ich weiß es nicht“ sagen und sich dabei deutlich sicherer fühlen. Gleichzeitig lagen sie häufiger falsch als Menschen ohne KI.
Die Forschenden Marcoccia, Quattrociocchi und Capraro haben ihre Ergebnisse als Vorabveröffentlichung auf der Plattform PsyArXiv veröffentlicht, das Fachportal The Decoder berichtete am 26. September 2026 darüber. In fünf Experimenten mit insgesamt 3.132 Teilnehmenden beantworteten Menschen schwierige Wissensfragen. Ein Teil konnte eine KI um Rat fragen, die anderen nicht.
Ohne KI lag der Anteil der Antworten „Ich weiß es nicht“ in den ersten beiden Experimenten bei 36 und 44 Prozent. Mit KI sank er auf 6 und 3 Prozent. Auf einer Skala von 0 bis 100 schätzten die Teilnehmenden mit KI ihre Sicherheit auf rund 76 Punkte, ohne KI auf rund 30 Punkte. Richtig waren über alle Experimente ohne finanzielle Anreize hinweg 27,5 Prozent der Antworten ohne KI und nur 9,2 Prozent der Antworten mit KI.
Was die Studie misst und was sie offenlässt
Gefragt wurde nach feinen Details aus Filmen, etwa nach der Farbe eines Trikots. Die Forschenden haben diese Fragen bewusst gewählt, weil das eingesetzte Sprachmodell dort fast immer falsch lag. Ob der Effekt bei Fragen rund um Businesspläne genauso stark ausfällt, ist offen. Es handelt sich außerdem um eine Vorabveröffentlichung, über eine Begutachtung durch andere Fachleute ist bisher nichts bekannt.
Trotzdem betrifft der Kern dich als Gründerin direkt. Eine flüssig formulierte Antwort fühlt sich verlässlich an, auch wenn sie es nicht ist. Wer eine solche Antwort übernimmt, hört auf zu zweifeln, und gerade dieser Zweifel wäre im Businessplan oft ein wertvoller Hinweis gewesen.
Warum braucht ein Businessplan mit KI besondere Sorgfalt?
Ein Businessplan mit KI braucht besondere Sorgfalt, weil du ihn für andere Menschen schreibst, die über deine Förderung mitentscheiden. Er ist die Grundlage für die Tragfähigkeitsbescheinigung und damit für deinen Antrag auf Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit.
Der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III ist eine Leistung für Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen. Bei Aufnahme der Selbstständigkeit müssen noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen. Außerdem verlangt das Gesetz die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle, die bestätigt, dass deine Gründung wirtschaftlich tragfähig ist. Fachkundige Stellen sind zum Beispiel Industrie- und Handelskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände oder Kreditinstitute.
Laut betanet (Stand Juli 2026) erhältst du in den ersten sechs Monaten einen Betrag in Höhe deines letzten Arbeitslosengeldes plus 300 Euro für die soziale Absicherung. Danach sind bis zu neun weitere Monate mit je 300 Euro möglich. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, die Agentur für Arbeit entscheidet nach Ermessen.
Was die fachkundige Stelle sehen möchte
Für ihre Stellungnahme braucht die fachkundige Stelle aussagekräftige Unterlagen. Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg nennt auf ihrer Seite zur Tragfähigkeitsprüfung unter anderem einen Businessplan mit Geschäftsidee, Markt und Wettbewerb sowie eine Finanzplanung mit Umsatz- und Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplanung und Kapitalbedarf. Bei Bedarf stellt die IHK Rückfragen, bevor sie ihre schriftliche Stellungnahme abgibt.
Spätestens bei solchen Rückfragen zeigt sich, ob du deine Zahlen erklären kannst. Eine Angabe aus dem KI-Chat, deren Herkunft du nicht kennst, wird dann schnell zu einer Unsicherheit, die man dir anmerkt. Seit 2019 habe ich über 50 Gründerinnen durch den AVGS-Prozess geführt. Mir ist wichtig, dass meine Kundinnen am Ende ihre eigenen Zahlen und ihr eigenes Konzept verstehen und beides erklären können.
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Welche Teile im Businessplan sind bei KI-Antworten besonders heikel?
Besonders heikel sind alle Stellen, an denen die KI Fakten liefert, die du selbst noch nicht überprüft hast. Dazu gehören Marktzahlen, Angaben zu Recht und Steuern, regionale Besonderheiten und die Berechnungen im Finanzplan.
Die IHK Potsdam beschreibt das Problem in ihren Gründungsbasics deutlich. KI-Antworten können veraltet oder falsch sein, auch wenn sie überzeugend klingen. Bei regionalen Vorgaben erfindet die KI unter Umständen Fakten. Dazu kommt, dass KI-Texte Chancen gern zu positiv und Risiken zu klein darstellen.
Marktzahlen und Zielgruppe
Ein Satz wie „Der Markt für Coaching wächst jährlich um zwölf Prozent“ klingt nach Recherche. Ob dahinter eine echte Quelle steht, lässt sich im Chat oft nicht erkennen, und manchmal bezieht sich die Zahl auf ein anderes Land oder ein anderes Jahr. In einen Businessplan gehören Zahlen, deren Herkunft du benennen kannst, etwa vom Statistischen Bundesamt, von deinem Berufsverband oder aus einer eigenen kleinen Umfrage.
Recht, Steuern und Versicherungen
Ob du als Kleinunternehmerin starten kannst, welche Erlaubnis dein Beruf braucht oder welche Versicherung Pflicht ist, hängt von deiner persönlichen Lage ab. Die KI antwortet darauf häufig mit allgemeinen Regeln, manchmal auch mit veralteten. Verlässlicher sind die offiziellen Seiten von Kammern und Behörden, und steuerliche Fragen gehören laut IHK Potsdam in die Steuerberatung.
Finanzplan und Berechnungen
Sprachmodelle sind für Sprache gebaut, beim Rechnen machen sie Fehler. Darauf weisen sowohl die IHK Potsdam als auch die Gründerplattform hin, die mit Unterstützung der KfW betrieben wird. Umsatz, Kosten und Lebenshaltung stehen deshalb am besten in einer Tabelle, in der jede Formel nachvollziehbar ist. Die KI kann dir helfen, Kostenpositionen zu sammeln, an die du noch nicht gedacht hast. Die Beträge kommen am verlässlichsten aus deinen eigenen Angeboten und Kontoauszügen.
Wofür nimmt dir KI im Businessplan wirklich Arbeit ab?
KI nimmt dir im Businessplan viel Arbeit ab, wenn sie dich beim Sortieren deiner Gedanken und beim Formulieren unterstützt. Die Inhalte und die Entscheidungen bleiben dabei bei dir, so beschreibt es auch die IHK Potsdam.
Die KI kann eine Gliederung vorschlagen, Fachbegriffe wie Rentabilitätsvorschau verständlich erklären und dir Rückfragen zu deinem Angebot stellen. Die Gründerplattform empfiehlt, große Aufgaben in kleine Schritte zu teilen, weil sich Fehler dann leichter finden und korrigieren lassen. In meinen Coachings zeige ich, wie ich selbst mit KI arbeite, und nutze dabei auch Prompts, mit denen sich die eigenen Gedanken sortieren lassen. Wie das im Alltag aussehen kann, beschreibe ich in meinem Artikel über KI als Sparringspartner.
Ein Beispiel: Eine Kunsttherapeutin, die eine eigene Praxis plant, könnte die KI bitten, ihr zehn Fragen zu stellen, die eine fachkundige Stelle zu ihrem Angebot stellen würde. Die Antworten schreibt sie selbst, und daraus entsteht ein Kapitel in ihren eigenen Worten. Die KI liefert in diesem Fall die Fragen, und das Wissen kommt von der Therapeutin selbst.
Sorgfalt gehört auch zu dem, was du eingibst. Name, Adresse und Angaben über deine Klientinnen braucht die KI für einen Textentwurf nicht. Mehr dazu findest du in meinem Artikel über Klientendaten und KI.
So gehst du diese Woche vor
Mit den folgenden sechs Schritten lässt sich ein KI-Entwurf in überschaubaren Portionen prüfen. Für jeden Schritt reichen 30 bis 60 Minuten, gern mit einer Tasse Tee daneben, und die Schritte dürfen sich ganz entspannt auf mehrere Tage verteilen.
Grafik mit KI-Unterstützung erstellt.
- Als Erstes kannst du deinen Entwurf einmal durchlesen und alle Zahlen und Rechtsangaben farbig markieren.
- Danach bekommt jede Markierung eine Quelle. Nennt die KI eine Fundstelle, lohnt es sich, die Seite selbst zu öffnen, weil auch Quellenangaben erfunden sein können.
- Was sich nicht belegen lässt, darf raus oder bekommt eine eigene Grundlage. Eine kleine Umfrage unter zehn Menschen aus deiner Zielgruppe kann aussagekräftiger sein als eine große Zahl ohne Herkunft.
- Für den Finanzplan bietet sich eine eigene Tabelle an, in der du jede Formel siehst. Die KI darf Positionen vorschlagen, die Beträge stammen aus echten Angeboten und Unterlagen.
- Hilfreich ist es, jeden Abschnitt einmal in eigenen Worten neu zu schreiben, ohne auf den KI-Text zu schauen. Wo dir das schwerfällt, gibt es noch etwas zu klären.
- Zum Schluss kannst du die KI bitten, deinen Plan aus Sicht einer fachkundigen Stelle durchzugehen und dir kritische Fragen zu stellen. Gelingt dir jede Antwort mit deinen eigenen Unterlagen, bist du für das Gespräch gut vorbereitet.
Typische Stolperfallen beim Businessplan mit ChatGPT und anderen KI-Tools
Die meisten Stolperfallen haben einen gemeinsamen Ursprung: Ein KI-Text klingt so überzeugend, dass das Nachfragen ausbleibt. Gerade wer sich mit Formalitäten noch unsicher fühlt, verlässt sich dann gern auf die glatte Formulierung.
Die Zahl, die niemand findet
Im Gespräch fragt die Beraterin, woher die Angabe zur Nachfrage in deiner Region stammt, und die Quelle lässt sich nicht mehr finden. Solche Momente kosten Vertrauen, obwohl der Rest deines Plans gut durchdacht ist. Eine Zahl weniger, die du dafür sicher erklären kannst, wirkt stärker.
Ein Text, der nach jemand anderem klingt
Ein Businessplan, der in jedem Kapitel gleich glatt formuliert ist, verrät wenig über dich. Deine Erfahrung, deine Positionierung und deine Gründe für die Gründung gehören in deinen eigenen Worten hinein, weil gerade das im Gespräch überzeugt.
Planung mit zu viel Optimismus
Wenn die KI Chancen größer und Risiken kleiner darstellt, wirkt ein Umsatzplan schnell zu schön. Eine realistische Planung mit nachvollziehbaren Annahmen trägt deine Gründung besser, und wie du sie aufbaust, beschreibe ich in meinem Artikel über den Finanzplan für Coaches und Therapeutinnen.
Häufige Fragen zum Businessplan mit KI
Darf ich meinen Businessplan mit KI schreiben?
Woran erkenne ich, ob eine Zahl aus der KI stimmt?
Kann die KI meinen Finanzplan berechnen?
Merkt die fachkundige Stelle, dass mein Businessplan mit KI entstanden ist?
Welche Daten gehören nicht in eine KI?
Hilft mir ein AVGS-Gründungscoaching beim Prüfen meines KI-Entwurfs?
Über die Autorin
Claudia Susanne Schwarz ist AVGS-Gründungscoachin und AVGS-Jobcoachin. Sie ist seit 2010 selbstständig, unterstützt seit 2019 Menschen aus helfenden, beratenden und therapeutischen Berufen auf dem Schritt in die Selbstständigkeit und hat über 50 Gründerinnen durch den AVGS-Prozess geführt. Seit dem Winter 2025/26 arbeitet sie selbst mit KI und zeigt in ihren Coachings, wie sie das tut.
Stand: 24.10.2026
Wenn du deinen Entwurf nicht allein prüfen möchtest
Vielleicht hast du beim Lesen an deinen eigenen Entwurf gedacht, an das Kapitel, das so schnell fertig war und sich trotzdem noch nicht ganz nach dir anfühlt. Im AVGS-Gründungscoaching nehmen wir uns deinen Businessplan Kapitel für Kapitel vor und prüfen gemeinsam, was die KI geliefert hat. Dabei zeige ich dir auch, wie ich selbst mit KI arbeite, damit du sie künftig sicherer einsetzen kannst.
Am Ende hältst du einen Businessplan in der Hand, den du selbst erklären kannst, und gehst mit Gelassenheit in das Gespräch bei der fachkundigen Stelle. Meine Kundin Lisa hat die Bewilligung am Ende als „reine Formsache“ erlebt, weil ihr Business- und Finanzplan gut vorbereitet waren. Im kostenfreien Erstgespräch von bis zu 30 Minuten schauen wir unverbindlich, ob ein Gründungscoaching zu dir passt und wie es mit deinem Gutschein weitergeht.
Über meinen Online-Kalender kannst du dir direkt ein kostenfreies Erstgespräch buchen.
Wenn du einen AVGS hast, wird das Coaching zu 100 % von der Agentur für Arbeit übernommen.
Quellen und weiterführende Links
- The Decoder: KI erzeugt Scheinkompetenz: Menschen übernehmen eher falsche KI-Antworten, als „Ich weiß es nicht“ zu sagen, 26.09.2026
- Marcoccia, Quattrociocchi, Capraro: Vorabveröffentlichung auf PsyArXiv, 2026
- IHK Potsdam: Mit KI zum Businessplan, ohne Datum
- Gründerplattform (BusinessPilot GmbH mit Unterstützung der KfW): Businessplan mit ChatGPT, 2026
- § 93 SGB III Gründungszuschuss, Gesetzestext bei lexsoft (lxgesetze.de)
- betanet: Gründungszuschuss, Stand 14.07.2026
- IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Begutachtung Ihres Antrags (Tragfähigkeitsprüfung), ohne Datum
